Eva und Otmar Tod - Leiter Schönstatt Ehevorbereitung

Interview mit Eva und Otmar Tod - Leiter der Schönstatt Ehevorbereitung

Das Interview haben Susi und Max Mitter geführt, Chefredakteure der Zeitschrift  "Familie als Berufung" und selbst Absolventen dieses Ehevorbereitungskurses.

Frage: Wann machen die meisten Paare den Ehevorbereitungskurs, eher kurz vor der Hochzeit oder schon etwas länger vorher?

Eva und Otmar: Das ist ganz unterschiedlich. Manche haben die Hochzeit schon kurz vor sich, bei manchen steht noch kein Termin fest. Es gibt immer mehr Paare, die in diesem Kurs überprüfen wollen, ob sie zusammen passen oder nicht. Voraussetzung für einen Ehevorbereitungskurs sollte eine Grundentscheidung für einen gemeinsamen Weg sein. Die meisten besuchen den Kurs drei bis sechs Monate vor der Hochzeit.

Frage: Wie läuft so ein Kurs ab?

Eva und Otmar: Der Ehevorbereitungskurs besteht aus sechs Einheiten: fünf Abende und ein Nachmittag. Verschiedene Ehepaare und ein Priester bzw. eine Schwester arbeiten zusammen. Pater Kuller hat dieses Modell gemeinsam mit Familie Jehle entwickelt. Jeder Abend hat ein Thema (siehe Konzept) und die Abende bauen aufeinander auf. Es gibt jeweils:
- ein Impulsreferat
- anschließend ein Paargespräch (ca. 45 Minuten)
- zum Abschluss ein Plenum für offene Fragen

Frage: Was ist das Besondere an diesem Kurs? Worin unterscheidet er sich von anderen Kursen?

Eva und Otmar: Der Kurs ist grundsätzlich paar-zentriert, das heißt: Nicht wir bereiten die Ehe dieser Paare vor, sondern die Paare selbst bereiten ihre Ehe vor. Und dazu bekommen sie von uns Tipps und Anregungen aus der Praxis. Der Hauptteil dieses Ehevorbereitungskurses ist das Paar-Gespräch:

- Wie habe ich es in meiner Familie erlebt?
- Wie hast du es in deiner Familie erlebt?
- Wie wollen wir in Zukunft das miteinander gestalten?
Es geht auch um einen Erwerb von Verhaltensweisen. Da sind die Beispiele der Referenten-Ehepaare sehr hilfreich. Es ist dann leichter, die Dinge ins eigene Leben zu übertragen.
Der große Unterschied ist also, dass die Paare mit dem, was sie gehört haben, direkt in ein Paargespräch gehen. Es wird nicht in der Gruppe diskutiert, sondern jeder setzt sich mit seinem Partner auseinander. Das ist zuerst meist neu für die Paare, aber im Laufe der Zeit merken sie, wie wichtig es ihnen geworden ist. Im Plenum können selbstverständlich Fragen geklärt werden.
Die Kurseinheiten finden im Wochenrhythmus statt. Aus unserer Erfahrung haben wir gesehen, dass die Paare sich spätestens ab der zweiten oder dritten Einheit schon wieder auf das Paar-Gespräch freuen und schon überlegen, wie sie das dann in Zukunft beibehalten können. Es kommt ein Lebensprozess für diese Paare in Gang, wo ein Profil für ihre zukünftige Partnerschaft erarbeitet wird. Das ist das Geheimnis dieser Ehevorbereitung.
Ein nettes Beispiel dafür, was das Besondere an unserem Kurs ist: Ein Paar hat bei uns angerufen und gefragt: "Ist das dieser Kurs wo man nachher weiß, ob man zusammenpasst oder nicht?"
Es gibt auch Paare, die während dem Kurs merken, dass sie nicht zusammen passen. Das ist natürlich momentan ein schmerzliches Erlebnis, auf der anderen Seite ist es aber ein Paar weniger auf der Scheidungsliste. Das ist uns auch ein ganz wichtiges Anliegen, sich vor der Hochzeit klar zu werden: Sind wir füreinander bestimmt?

Frage: Wisst ihr, ob es aus den Kursen, die ihr begleitet habt, geschiedene Ehepaare gibt?

Eva und Otmar: Wir wissen definitiv von zwei Scheidungen, einem Paar davon haben wir in einem Gespräch auch abgeraten zu heiraten. Bei weiteren zwei bis drei Paaren gibt es Gerüchte, dass sie sich getrennt haben, das wissen wir aber nicht genau. Das heißt bei 150 Paaren (Stand Anfang 2005), die diese Ehevorbereitung gemacht haben, haben wir ungefähr vier Paare, die geschieden sind. Und wir haben etwa zehn Prozent, die nachher nicht geheiratet haben.

Frage: Was waren in diesen letzten zehn Jahren für euch die schönsten Erfahrungen in der Ehevorbereitung?

Eva und Otmar: Da gibt es viele: Schön ist, wenn man die Freude der Paare aneinander wahrnimmt. Manche Paare sind am Anfang oft sehr reserviert ? besonders die Männer, die nur ihrer Partnerin zuliebe hingehen, sie sagen zum Beispiel: "Wir kennen uns eh schon acht Jahre, wozu brauchen wir das?" Am Ende des Kurses bedankte sich ein solcher Mann bei uns und sagte: "Wir sind uns hier ein Stück näher gekommen." So ein Erlebnis ist für uns dann sehr schön und bestätigt uns auch in unserer Arbeit.
Absolventen des letzten Kurses sagten in der Schlussrunde, dass dieser Kurs für alle Paare verpflichtend sein sollte, die kirchlich heiraten wollen.

Frage: Gibt es auch nach Kursende die Möglichkeit weiterer Treffen?

Eva und Otmar: Für uns ist der Kontakt mit den Paaren nach der Hochzeit wichtig. Wir haben mit ca. 80 Prozent aller Paare noch Kontakt. Es ist dann sehr schön zu sehen wenn die ersten Babys kommen, wenn sich also die Familiensituation verändert. Dann rufen manchmal die jungen Mütter bei uns an, wenn es sie gerade schleudert. Manche schauen sich dann die Unterlagen von der Ehevorbereitung wieder an und es ist ihnen eine Hilfe. Oder sie kommen zu anderen Veranstaltungen (wir haben zum Beispiel jedes Jahr zu Pfingsten ein mehrtägiges Seminar für Junior-Eheteams. Die Tagung ist gedacht für die Paare, die die Schönstatt-Ehevorbereitung gemacht haben. Aktuelle Termine in der FAB oder auf dem Schönstatt Terminkalender).
Bewegt hat uns auch die Aussage eines Mannes: "Jetzt habe ich meinen Traumjob und meine Traumfrau gefunden, jetzt möchte ich auch eine Traumehe führen."

Frage: Stellt Euch ein Paar vor, das noch nie von dieser Ehevorbereitung gehört hat. Wie würdet ihr sie für euren Kurs werben?

Eva und Otmar: Wir kennen ein Paar, die schon lange befreundet sind und sich nun zur Heirat entschlossen hatten. Die Frau hat mit mir gesprochen, dass sie dann im Haus seiner Eltern wohnen werden. Das ist keine einfache Situation. Wir kennen das selbst. Ich habe dann den Mann gefragt, wen er zuerst begrüßen würde, wenn er nach Hause kommt? Er sagte: "Meine Eltern." Ich sagte: "Falsch. Du drückst mit der Haltung schon etwas aus. Wenn du zuerst deine Frau begrüßt, ist klar zu wem du gehörst. Man kann ohne Worte ein Zeichen setzen." Die beiden waren dann ganz interessiert, weil bei unserem Kurs über solche Dinge gesprochen wird. Man muss jedes Paar dort abholen, wo es gerade steht.

Ein kurzer Slogan, der es für uns trifft ist: 6 Abende - für ein Leben lang. Das gefällt uns sehr gut, damit könnten wir vielleicht auch Werbung machen.

Danke für das Interview! Wir wünschen euch weiterhin viel Energie für die Ehevorbereitungskurse.